Vom Ochsenkarren zum Solarmobil

Automobilgeschichte der Schweiz

Der vorliegende Dokumentarfilm schliesst eine Lücke in den helvetischen Geschichtsbüchern und vermittelt Informationen über die Rolle der Schweiz bei der Motorfahrzeugentwicklung. Von der traditionellen Säumerei über den Beginn des Reiseverkehrs mit Postkutschen und Eisenbahnen, den Beginn der schweizerischen Automobil-Industrie bis zur heute gefragten umweltgerechten Mobilität zeigt der Film in zwölf Folgen von je rund fünfzehn Minuten Dauer den langen Weg der Mobilität auf, die nicht erst heute als Symbol für Wohlstand und Freiheit verstanden wird.


Wer heute im Stau stecken bleibt, denkt wohl selten darüber nach, dass die Geschichte des Automobils erst rund hundert Jahre alt ist. Und wahrscheinlich weiss er auch nicht, dass die Schweiz an der Entwicklung des Automobils und der Fahrzeug-Industrie in vielfältiger Weise mit beteiligt war. Der Film zeigt - neben der eigentlichen Geschichte des Automobils - den Erfolg und Niedergang der schweizerischen Fahrzeugfabrikation. Und er zeigt zudem, dass schweizerische Enrwickler auch heute wieder Neuland betreten und weltweit Einfluss auf den Bau künftiger Strassenfahrzeuge nehmen.

Alles begann mit dem Ochsenkarren


Eigentlich begann alles mit der Erfindung des Rades, aber soweit wollen wir nicht in die Vergangenheit zurückblenden: Während Jahrhunderten war der Ochsenkarren das öffentliche Verkehrsmittel schlechthin. Später wurde er von der schnelleren Pferdekutsche verdrängt, die ihrerseits der Bahn den Vorrang im öffentlichen Verkehr überlassen musste - bis zum Beginn dieses Jahrhunderts, als der beispiellose Siegeszug des Automobils seinen Anfang nahm.


Widerstände waren zu überwinden


Während die Fuhrleute zu Recht um ihre Arbeit bangten, ärgerten sich die Fussgänger vor allem über den Gestank und den Lärm der neuen Fahrzeuge. Um diesen Widerständen zu begegnen, wurde schon Ende des letzten Jahrhunderts der TCS und der ACS gegründet.


Wie jede Neuheit wurden die ersten Automobile belächelt oder hatten gegen erbitterten Widerstand von Fussgängern und Fuhrleuten zu kämpfen. Es verwundert deshalb nicht, dass z.B. das Befahren der Strassen des Kantons Graubunden erst ab 1929 möglich war und dass die Schweiz auf ein einheitliches, eidgenössisches Motorfahrzeuggesetz bis zum Jahre 1932 warten musste.

Vom Wagner zum Carrossier


Trotzdem: Die Entwicklung war nicht aufzuhalten. Die ersten Autos, die noch fast wie Kutschen aussahen und auch viele mechanische Teile (Zum Beispiel die Federung) von eben dieser Vorgängerin übernahmen, wurden in Einzelstücken oder in einer Kleinserie von den einheimischen Carrossiers eingekleidet. Mit der Einführung der Fliessbandproduktion im Ausland verdrängten die günstigen Fabrikate die einheimischen Karosserien. Bis in die Fünfziger Jahre wurden in der Schweiz "massgeschneiderte Automobile" nach Kundenwunsch und vor allem als Einzelstücke hergestellt.


Chevrolet war ein Schweizer


Der Film zeigt denn auch nicht nur Luxuskarossen von Adligen mit kunstvoll gestalteten Details, die an den früheren Kutschenbau erinnern, sondern auch die legendäre "Tin Lizzy", das erste von Henry Food produzierte Fliessband-Auto. Und selbstverständlich findet auch die Marke Chevrolet Eingang in den Film, wurde sie doch vom Schweizer Louis Chevrolet begründet, der in jungen Jahren nach Amerika auswanderte, weil ihm im eigenen Land kein Erfolg beschieden war.


"Vom Ochsenkarren zum Solarmobil" beschränkt sich allerdings nicht auf die Geschichte des Autos. In jeder Phase werden auch die gesellschaftlichen Veränderungen ausgeleuchtet, die als Folge der erhöhten Mobilität der Menschen das gesamte Leben veränderte. Die Entwicklung der Eisenbahn und des Flug- und Schiffsverkehrs werden mit ebenso packenden Bildern dargestellt, wie der damit verbundene Ausbau des Strassennetzes mit all seinen positiven und negativen Konsequenzen. Aber auch der Einfluss des Staates auf die einheimische Automobil-Industrie, vor während und nach den beiden Weltkriegen, wird im Film behandelt.


Schweizer Automarken


Bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts gab es noch eigenständige Automobilmarken. Die bedeutendsten unter Ihnen waren Martini. Pic-Pic, Turicum, Ajax. Es zeigte sich bald, dass der Absatzmarkt für eine eigene Personenwagen-Industrie in der Schweiz zu klein war. In den Dreissiger Jahren wurde in Biel und nach dem zweiten Weltkrieg in Schinznach ein Montagewerk errichtet. Vorfabrizierte Elemente wurden in die Schweiz importiert und mit einheimischen Produkten zu Fahrneugen "Montage Suisse" zusammengebaut. Doch der Aufschwung des Automobil-Imports, infolge grosser Nachfrage, liess diesen Zweig der Schweizerischen Automobil-Industrie gänzlich verschwinden.


Bedeutend besser erging es der Nutzfahrzeugindustrie, deren bekanntesten Vertreter Saurer und FBW bis in die Achtziger Jahren ihre Produktion aufrecht erhalten konnten.

Die Schweiz als Partner der internationalen Auto-Industrie


Für die internationalen Automobil-Konzerne ist die Schweiz trotz fehlenden Eigenmarken ein wichtiger Partner geworden: Einerseits als Test- und Absatzmarkt, andererseits durch die eigentliche Drehscheibe der Automobil-Industrie, den Internationalen Automobilsalon in Genf, der als einzige derartige Veranstaltung jedes Jahr stattfindet.


Der Weg des Automobils, der wohl 1876 mit der Entwicklung des ersten Verbrennungsmotors durch Karl Benn begann, ist allerdings noch längst nicht am Ende. Heute gilt es, Wege zu finden, die Nachteile der grenzenlosen Mobilität in den Griff zu bekommen, denn ständig wachsende Staus, Lärm und Luftverschmutzung können nicht der Weisheit letzter Schluss sein.


Und wieder sind es Schweizer, die auch auf diesem Gebiet Pionierarbeit leisten: Zwar ist der Elektromotor schon rund hundert Jahre alt, aber erst heute kann man sich vorstellen, dass er (zusammen mit anderen Technologien) in naher Zukunft einen Ausweg aus der Sackgasse bieten könnte, in die uns die individuelle Mobilität zu führen scheint.


"Vom Ochsenkarren zum Solarmobil" ist ein Muss für alle, die sich für die Ursprünge der heutigen Mobilität interessieren. Mit seiner Vielfalt an Querhinweisen auf andere Verkersmitel und de damit verbunden Technologien und gesellschaftlichen Veränderungen eignet er sich auch hervorragend für den Einsatz in Schulen, zumal er gleichsam nebenbei einen kompakten Abriss über die Geschichte der Schweiz bietet.


Der Dokumentarfilm setzt als Quellen historische Filmaufnahmen aus der Anfangszeit der Filmerei ein, aber auch Ausstellungsstücke aus Museen, seltene Dokumente, technische Zeichnungen und Interviews mit führenden Vertretern der Schweizerischen Autointdustrie, der Strassen- und Verkehrs-Verbände sowie des Rennsports.